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IRLAND – Reisetagebuch No.9-Reel 2005
 Inis Meáin (Inishmaan) Aran Islands
INTRO Unsere jährlichen Reisen nach Irland sind schon so selbstverständlich, wie unsere regelmäßigen monatlichen Konzerte. Jede Reise und jedes
unserer Konzerte ist immer wieder anders, aufregend und schön. Aus jeder Reise und jedem Konzert nehmen wir eine Menge mit und
verarbeiten das in unser Musik und unserem Leben. Die Herzlichkeit, die uns von Freunden und vielen Fremden bei unseren Reisen und auf
unseren Konzerten entgegengebracht wird, ist schon bedeutend und baut uns immer wieder auf. In diesem Zusammenhang fällt mir ein schönes
irisches Sprichwort ein: „Ein Fremder, ist ein Freund, den man vorher bloß noch niemals getroffen hat.“ Und dieses Sprichwort lebt in Irland.
Immer wieder stellen wir fest, dass die Iren ein interessiertes (oder neugieriges!) Volk sind und gerne schwatzen. So erfährt man eine Menge über Land und Leute.
In diesem Jahr (2005) haben unsere Freunde aus Cavan es endlich geschafft, uns in Schwerin zu besuchen. Mit einer Woche Vorankündigung
waren sie da, man plant nicht so gerne lange im voraus und reisen ist eigentlich sowieso anstrengend. Auf jeden Fall haben wir 4 ziemlich
verrückte Tage mit vier (+1) außergewöhnlichen Musikern verbracht. Der Brunnenkrug in Schwerin bot sich wie immer als tolle Kneipe für die
Sessions an. Sightseeing in Schwerin wurde abgelehnt, aber eine Menge Pintseeing (Enda McDermott) durch-gezogen. Und Musik gemacht, die Nächte durch, so wie wir es aus Irland kennen.
CLARA Co.Offaly 10.09.2005, Samstag Wir sind wie immer gut gelandet. Auf dem Weg nach Clara genehmigen wir uns in einem kleinen Nest Namens Clonard unser 1. Pint Guinnes
2005. Es schmeckt anders als zu Hause. Besser. Und wir genießen es. Gegen 19.00 Uhr stehen wir vor dem Pub „Jim Moloy“ und hoffen, unseren alten Freund Eamonn Dunne zu treffen.
Wir haben Eamonn vor ein paar Jahren an einem schönen Vormittag auf der Durchreise im Pub in Clare kennen gelernt. Eigentlich wollten wir
damals den Pubbesitzer vom „Old store“ Greag Mc Cabe besuchen, mit dem wir bei einer Session in Abbeylara musiziert haben, aber er hatte
den Pub vor einigen Wochen verkauft und keiner wusste damals wo er abgeblieben ist. Der verrückte Eamonn hat uns ausgefragt und nicht wieder weggelassen. Also sind wir geblieben.
Unser alter Eamonn ist ein begnadeter Akkordeonspieler und seit unserem ersten Besuch in Clara ein wirklich guter Freund.
Auf der Eingangstreppe vom „Jim Moloy“ sitzt ein alter Mann. Seine Beine wollen nicht mehr so richtig und da man zum rauchen vor die Tür muß, bleibt er gleich dort sitzen. Das Bier wird ihm gebracht.
Außerdem hat er noch eine andere Aufgabe - uns abzufangen. Er winkt uns ran und sagt: „Es wird Zeit, dass ihr endlich kommt, wir warten
schon den ganzen Tag auf euch. Eamonn sitzt im Pub auf der anderen Straßenseite. Ihr sollt gleich zu ihm kommen.“ Damit ist seine heutige Arbeitsaufgabe erledigt.
Eamonn ist jedoch verschwunden, alle haben ihn gesehen und keiner weiß, wo er ist. Jetzt beginnt das typisch irische Suchsystem. Man telefoniert die halbe Stadt ab, auf der Suche nach Eamonn.
Wir nehmen es gelassen, der Tag ist noch jung und er wird schon irgendwo aufkreuzen.
In einem kleinen Supermarkt in der Straße spricht uns ein junger Mann an: „Hi musicians … spielt ihr heute Abend wieder im Pub ?“ Wir
wundern uns! Als wir ihn fragen, wie er darauf kommt, erzählt er, dass er einer von Eamonns vielen Söhnen ist und Fotos von uns gesehen hat. Zwischenzeitlich hat man unseren alten Freund auch rantelefoniert.
Er sieht wir immer gut aus und … trinkt z.Z. Juice, Coke oder Kaffee ... eine Art irische Fastenkur. Es wird wieder ein schöner Abend.
Samstagabend - In den meisten Pubs trifft sich die Jugend und hört „heiße“ Musik. Es gibt schon nicht mehr so viele Pubs, wo man heute
Abend noch Musik machen kann. (Irland verändert sich immer mehr!) Wir sitzen im Pub „Chrity Coulen“ in der River Av. erzählen viel und musizieren mit Eamonn und seinem
Freund Michael. Jennifer, the barmaid, ist übrigens die Schwester vom irischen Finanzminister. Der Pub scheint trotzdem gut zu laufen.
Zu später Stunde kommt Rose, eine Dame mittleren Alters und eine alte Freundin
von Eamonn ;-) . Sie ist Taxifahrerin in Dublin, hat von unserer kleinen Session gehört und ist deshalb gekommen.
Sie spielt Gitarre und hat Stimmbänder, über die mit Sicherheit schon viele Whiskeys gelaufen sind. Und alle wollen nur eins von ihr hören: „Red is the Rose ….” – Der Ohrwurm sitzt noch am nächsten Morgen im Kopf.
Irgendwann, lange nach „Last order“ sitzen wir bei Eamonn zu Hause. Er räumt noch schnell den Betonmischer (!) aus dem Bad (gebaut wird
immer!), wir legen ein vollgemöltes Zimmer im Dachgeschoss frei, finden sogar ein Bett, trinken noch ein paar Cider und legen uns irgendwo schlafen.
11.09.2005, Sonntag Nach einem, wie immer satten, „Full irish braekfast“ in einem Cafe verabschieden wir uns bis zum nächsten Jahr und setzen unsere Fahrt Richtung Galway fort.
Wir kommen nur bis Ballinasloe und müssen erst mal tanken! Wir haben uns vorgenommen, die Aran Islands zu besuchen. Leider verpassen wir nur knapp die Fähre auf die Inseln. Deshalb treiben wir uns
ein wenig in der schönen Gegend rum. Clifden, Connemara Co.Galway 12.09.2005, Montag
Man feiert den irisch-mexikanischen Gedenktag! Ich möchte auf die historische Geschichte dieses Tages
nicht weiter eingehen. Das kann man nachlesen. Auf jeden Fall werden Fahnen geschwenkt und es wird gefeiert.
Damit wir die Fähre nicht wieder verpassen, fahren wir diesmal rechtzeitig zum Hafen nach Rossaveel. Wir haben schon viel von den Aran Inseln gehört, wissen aber auch, dass es hier viele Touristen hertreibt. Aber
wie im letzten Jahr bei unserem Besuch auf Tory
Island, setzen wir mit dem Boot am Abend rüber, wenn die Touristen die Inseln verlassen. Inis Meáin (Inishmaan) ist die mittlere der drei Araninseln.
Hier ist es sehr ruhig zu dieser Jahreszeit. Es gibt Steinwälle, Schafe, Kühe, ein paar Menschen und im Sommer viele Tagestouristen. Zum Ausspannen sehr schön, wenn das Wetter stimmt.
Wenn man sich am Hafen zu einer Taxifahrt überreden läst, bezahlt man für die Fahrt zum „einzigen“ B&B 12,00 Euronen für 300 m! Das muss nicht sein. Tig Congaile, B&B and Restaurant wird von einer netten
alten Dame, philippinischer Herkunft geführt, hat normale Preise und ist zu empfehlen. Auf der Insel gibt es einen
Pub. Wir packen unsere Instrumente und ziehen los. Der Wirt erzählt, dass immer Sonntag bei ihm Session ist. Es kommen viele bekannte Musiker hierher. Heute ist Montag!
Auf dem Weg in den Pub, treffen wir ein junges Mädel, die uns fragt ob wir denn heute Abend Musik machen. Sie wollte dann noch vorbeischauen. Sonst treffen wir keinen Menschen auf der Straße.
Das junge Mädel, Siobhán Hogan kommt aus Cora Finne im Co. Claire, studiert am Musikcollege für traditionelle Musik in Limerick Querflöte
und Ullianpipe und ist gerade vor einigen Tagen All irish Campion mit ihrer Querflöte geworden ( nachzulesen in der Ergebnisliste des Fleadh Cheoil na hÉireann http://www.mayo-ireland.ie/sites/CCE/fleadh/results2005.doc ). Und so spielt sie dann auch.
Inis Meáin, 13.09.2005 Dienstag Wir genießen den Vormittg bei allerschönsten Sonnenschein, laufen ca. 2 Std. über die Insel – Steine und die typischen Steinwälle überall – und landen wieder im Pub.
Leitrim - Carrick on Shannon Wir besuchen Jenny Seitz in der Nähe von Leitrim, die Tochter eines guten alten Freundes, der vor zwei Jahren gestorben ist. E. Dieter Seitz
war vor ca. 25 Jahren nach Irland ausgewandert. Wir legen einen „ruhigen“ Probenabend ein und schwatzen mit Jenny und ein paar Freunden. Cavan, 14.09.2005 Mittwoch
Wir fahren zu Gerry Hennessy, Maedow Cottage in ein kleines Dorf mit dem Namen Derrywinny in der Nähe von Cavan. Man wartet in Cavan schon seit zwei Tagen auf uns.
Am Abend gehen wir zum „Mittwochskonzert“ der Cavan – musicians. Wie immer präsentieren sich verschiedene Musiker, auch ein alter Lilter, Seamus Fay, der seine Hornpipes, Jigs und Reel in Begleitung zu
Bones und Bodhran „singt“. Wie immer müssen auch wir spielen und man wünscht sich german tunes. Um Mitternacht ist „last order“, der Tresen schließt und die Gäste werden, zum Teil laut gebeten doch endlich zu gehen.
Wir sitzen die Nacht bei Gerry am Kamin und musizieren, rauchen, trinken und schwatzen mit Martin Donohoe (button accordion), Trevor
Bury (bodhrán, bones), Gerry und ein paar anderen Cavan - Musikern bis in den frühen morgen. Cavan, Balleyhaise 15.09.2005 Donnerstag
Wir frühstücken mit Danny Mc Govern in Cavan und verabreden uns zum Abend in Ballyhaise Village zur Session. In Ballyhaise wohnt Danny Mc Govern.
Der Pub ist ziemlich leer. Gegen 21.00 Uhr sind wir immer noch fast alleine, kein anderer Musiker zu sehen.
Wir wissen, dass die Iren es mit Pünktlichkeit nicht so genau nehmen und haben uns daran schon gewöhnt. Was wir nicht wissen, ist, dass es zwei Pubs im Ort mit dem gleichen Namen gibt. Wir sind natürlich im
falschen. Irgendwann findet uns Danny und wir gehen fünf Häuser weiter in den „richtigen“ Pub. Die Session geht ab, wie immer, laut, viel Guinnes und es wird spät.
In der Nacht sitzen wir noch lange bei Danny. Enda mixt einen irish Coffee aus Poteen-pur, Kaffeepulver und flüssiger Sahne. Das Zeug ist
extrem hochprozentig und schmeckt toll. Nebenbei rauchen Andreas und Enda aus dem Didgeridoo. Warum es Andreas am nächsten Tag so schlecht ging? Wir wissen es.
My wife ran of with my best friend and ‚I’m shure I miss him.
Abbeylara 16.09.2005 Freitag
Wir fahren nach Abbeylara, Co.Longford um die McCormack-Family zu besuchen. Abbeylara ist ein kleines Nest auf der Straße zwischen Coole und Granard. Hier verirrt sich kein Tourist. McCormacks Pub befindet
sich immer noch im gleichen Zustand. Hier hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Seit 2001 kommen wir jedes Jahr wieder hier her. Und hier haben wir auch die McCormack-Family mit Siobhán, Shinnead, Paul,
Merl und Paddy kennengelernt. Außerdem Pat – the English teacher und seine Frau Oliv, die eine geniale Fiddle spielt und natürlich vor Jahren Champion im County war.
Siobhán hat den Familien-Pub verpachtet, aber Familie und Freunde treffen sich immer noch hier. Kaum sind wir im McCormacks Pub, werden über Telefon Freunde und Musiker ranorganisiert. So oft gibt
es hier auch keine Session mehr. Olive spielt neben Ihrer Fiddle, aber auch Gitarre, Banjo und singt. Es kommen viele alte Freunde.
In der Nacht fahren wir noch zu Siobhán nach Castlepollard, Co. Westmeath. Wir schwatzen solange, bis wir die Kinder wach bekommen haben. Aber dass macht nichts, die Kinder sind den Rest der Nacht putzmunter.
Abbeylara 17.09.2005 Samstag Unser Flieger soll gegen Mittag von Dublin abheben. Wir machen uns recht früh auf den Weg. So früh am Morgen ist Irland noch schön ruhig, aber nicht mehr lange-wir kommen wieder.
Die nächste Reise ist im Mai 2006 geplant, das 10.Mal! Forget the dog beware of wife.Sex, the most you can have without laughing!
Peter 2005/2006 |